Der Kuroda Clan

Die Legende sagt, Muso Gonnosuke hätte Musashi später zu einem zweiten Duell gefordert und aufgrund seiner neuen Stocktechniken ein Patt erzwingen können – die einzige Niederlage, die der große Musashi je hinnehmen mußte. Aber dieses Duell ist historisch nicht belegt und auch für die angeblich darauf folgende Männerfreundschaft der beiden Schwertmeister gibt es keine Belege. Allerdings gibt es in den überlieferten Jo jutsu kata einige Hinweise auf den Einfluß des Duells mit Musashi. Die Kata Uchiwa der Okuden Stufe simuliert genau den schon oben beschriebenen Ablauf des Kampfes mit dem finalen Kreuzblock Musashis und der darauf hin entwickelten Kontertechnik Muso Gonnosukes.

Fakten werden erst wieder greifbar, als Gonnosuke sich beim Kuroda Clan, den Herren der Provinz Chikuzen, als Fechtlehrer bewirbt und die Ausbildung der Samurai übernimmt. Wie bereits oben beschrieben, war Japan zu dieser Zeit reich an herrenlosen Samurai und Stellungen als Lehrer oder Aufnahme in fremde Clans waren Privilegien, welche nur wirklich herausragenden Kriegern vorbehalten waren. Durch ihren Status als Krieger waren den Samurai alle Berufe außerhalb des militärischen Dienstes verboten und die Alternativen hießen: Samurai, Räuber oder Bettler. So war die Anstellung Gonnosukes ein Beweis für die Qualität von Gonnosukes Kampftechnik und seinem Ruf  als Schwertkämpfer.
Er siedelt sich bis zu seinem Lebensende in Fukuoka an und gibt seine Techniken an die Krieger des Clans weiter, von denen mehr als 10 Schüler die Stufe des Menkyo erreichen sollen. Diese bilden die Grundlage der Stockkampfschule für die nächsten Generationen. Seine Methode des Stockkampfes, die Shindo Muso Ryu (Weg der Götter, ohne Gedanken), wird für die nächsten 150 Jahre internes Ausbildungssystem und geheime Kampfkunst der Kuroda-Familie. Und selbst nach dem Aussterben des Clans und der Übernahme der Provinz durch andere Daimyo blieb die Schule geheime Kriegskunst der Chikuzen-Samurai. Noch heute ist Fukuoka, die ehemalige Heimatstadt des Kuroda-Clans, eine Hochburg des Shinto muso Jo jutsu in Japan.

 

Samurai des Kuroda-Clans beim Schwertkampf Shindo muso ryu
Die Schule des "Weges der Götter - ohne Gedanken" bezieht ihren Namen aus 2 japanischen Elementen.
Den Shindo (oder besser Shinto), wörtlich "Geisterweg", der Urphilosophie Japans, die Ahnenkult und Natur
verehrung verbindet und fast den Status einer Religion hat. Shinto ist untrennbar mit den Kami, den beseelenden Göttern verbunden, die sowohl Steine, Bäume, Flüsse aber auch Schwerter oder andere Waffen bewohnen können. 
Muso, "ohne Gedanken" ist ein komplexer Begriff der Kampfkünste, welcher den idealen, geistigen Zustand eines Kriegers im Gefecht beschreibt. Ohne Absicht oder Finte auf die Bewegungen des Gegners reagieren und frei von Haß oder Angst den Angriff annehmen und verarbeiten. Als wäre der Kampf die gleiche Tätigkeit wie Essen oder Gehen - eben frei von allen Absichten oder Gedanken.  


Shindo muso ryu

Als sich die geheime Kunst der Kuroda Samurai mir Beginn der Meiji-Restauration auch anderen Interessenten, außerhalb der Provinz öffnete, gab es zwei hauptsächliche Linien, welche als legitime Nachfolger Muso Gonnosukes die Techniken des Jo jutsu unterrichteten – die Familien Hamachi und Hirano.
Die historische Linie der Großmeister der Shindo muso ryu:

- Muso Gonnosuke Katsukichi
- Okubi Magouemon Yoshikane
- Matsuzaki Kinuemon Shigekatsu
- Higuchi Hanuemon Katsunobu
- Harada Heizo Nobusada
- Hara Shiuemon Ujisada
-
Nagatomi Koshiro Hisatomo
- Ono Kyusaku Tomotoki
- Konishi Bundayu Satoshi
- Hamachi Seiichi Nobutoshi
- Hirano Yoshizo Yoshiharu
- Yoshimura Hanjiro Nobuyoshi
- Shiraishi Hanjiro Shigeaki

nach Shiraishi Hanjiros Tod 1927 gliederte sich die Hauptlinie in verschiedene Zweige auf. Heute hat die Schule kein ausschließliches Oberhaupt mehr.

Als komplexes, lebendes System unterlag auch die Shinto muso ryu in den Jahrhunderten ihres Bestehens zahlreichen Änderungen und Ergänzungen. Muso Gonnosukes erste, ursprüngliche Techniken wurden von späteren Großmeistern durch eigene Elemente ergänzt. So fügte man den nach der Gründung der Schule entwickelten Formen im 18. Jhdt. die Kata der Ran ai hinzu und im 20. Jhdt. nochmals die Techniken des Gohon no midare.
Neben seinen bekannten Stocktechniken integrierte die Shinto muso ryu im Laufe der Zeit auch andere Waffenformen in ihr System. Der dritte Großmeister Matsuzaki Kinuemon Shigekatsu fügte im 17. Jhdt. nachträglich die Techniken der Ittatsu ryu Hojo jutsu (Fesselung durch ein Seil) und Ikkaku ryu Jutte jutsu (Parierwaffe/Jutte) in die Schule ein. Damit tat er dem Trend der Tokugawa Epoche genüge, die Kampfsysteme vom Schlachtfeld auf die Straße der Städte zu übertragen, waren die neuen Elemente doch spezielle Techniken zur Überwältigung oder Abwehr eines zivilen Gegners und nicht die Tötung eines gepanzerten Kriegers im Feld. Eine weitere Ergänzung der Schule führte im 19.Jhdt. Uchida Ryogoro (1837 – 1921), ein Meister der Ryu, ein, als er die Techniken des Tanjo jutsu in die Schule aufnahm. Tanjo (oder auch Sutekki jutsu – nach der Japanisierung des englischen Wortes „Stick“) war die Reaktion auf den in Mode gekommenen westlichen Spazierstock und seine Aufnahme in das japanische Waffenarsenal. 

Insgesamt umfaßt die Shindo muso ryu folgende Systeme:

Shindo muso ryu – Jo jutsu (Stab)
Shinto ryu – Ken jutsu (Langschwert) / separate Kata
Isshin ryu – Kusarigama jutsu (Kettensichel)
Ittatsu ryu – Hojo jutsu (Seil)
Ikkaku ryu – Jutte jutsu (Parierstab)

Uchida ryu – Tanjo jutsu (kurzer Knüppel)

 

Quelle